Behandlungen

Nicht immer führt eine medikamentöse Therapie mit Tabletten oder Spritzen zum Erfolg. In diesen Fällen schlagen wir abhängig von der individuellen Diagnose den Paaren die jeweils am meisten Erfolg versprechende Therapie vor. Im Kinderwunschzentrum Mittelrhein arbeiten wir mit einer Vielzahl von sehr spezifischen Behandlungsmethoden, deren Einsatz medizinisch und mit den betroffenen Paaren intensiv erörtert wird:

 

Insemination

Zum Zeitpunkt des Eisprungs werden besonders aufbereitete, „gewaschene“ Spermien des Partners mit Hilfe einer Spritze und eines dünnen Katheters direkt in die Gebärmutterhöhle übertragen (homologe Insemination).

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Eine Insemination kann erforderlich sein, wenn die Beweglichkeit der Spermien beschränkt ist oder Störfaktoren im Bereich des Muttermundes ein Aufsteigen der Spermien in die Gebärmutterhöhle hemmen. Bei völligem Fehlen von Spermien des Partners (zum Beispiel in Folge einer Operation oder Strahlentherapie) kann die Insemination auch mit Spendersamen (heterologe Insemination) durchgeführt werden.

In-vitro-Fertilisation

„IVF“ steht für In-vitro-Fertilisation, also die Befruchtung von Eizellen durch Spermien außerhalb des Körpers. Bei diesem Verfahren werden die Eierstöcke durch Spritzen, die die Patientinnen sich selbst verabreichen können, hormonell stimuliert, so dass mehrere Eibläschen heranreifen.

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Nach Auslösen des Eisprungs werden die Eizellen unmittelbar vor dem Eisprung in einer kurzen Narkose durch die Scheide abgesaugt und außerhalb des Körpers – „in vitro“ – mit den aufbereiteten Spermien des Mannes in einer Nährlösung zusammengebracht. Die befruchteten Eizellen bzw. Embryonen übertragen wir nach zwei bis drei Tagen in die Gebärmutterhöhle (Embryotransfer).

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

ICSI ist eine zusätzliche Maßnahme im Rahmen der IVF bei eingeschränkter Samenqualität des Mannes. Alle Schritte bis zur Eizellgewinnung sowie der anschließende Embryotransfer sind identisch.

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Die Eizellen werden unter einem speziellen Mikroskop mit einer Haltepipette fixiert. Anschließend wird jeweils ein einzelnes Spermium in eine dünne Injektionspipette aufgezogen und direkt in die Eizelle eingestochen (injiziert).

In Einzelfällen ist vor einer solchen Behandlung eine humangenetische Behandlung sinnvoll – darüber informieren wir Sie natürlich rechtzeitig. Grundsätzlich empfehlen wir nach ICSI eine pränataldiagnostische Abklärung in der Schwangerschaft, so können wir durch spezialisierte Ultraschalluntersuchungen die kindliche Entwicklung optimal erfassen.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) im natural cycle

Selbstverständlich führen wir eine ICSI auch im natürlichen Zyklus durch – sprechen Sie uns gerne an!

 

Hodenbiopsie (TESE)

TESE steht für „testikuläre Spermienextraktion“ und meint die Gewinnung von Spermien aus Hodengewebe. Diese Methode wird bei stark eingeschränktem Spermiogramm oder völligem Fehlen von Spermien im Ejakulat durchgeführt.

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In einer kurzen Narkose werden aus dem Hodengewebe kleine Proben entnommen, aus denen später für eine ICSI-Behandlung Spermien isoliert werden können. Sofern Spermien im Hodengewebe nachweisbar sind, werden die Gewebeproben sofort eingefroren und in unserem Kryo-Zentrum gelagert. Bei einer späteren ICSI-Behandlung werden eine oder mehrere Hodenproben aufgetaut und die Spermien aus dem Gewebe herausgelöst und aufbereitet.

Fertilitäts-Prophylaxe bei Mann und Frau

Besteht die Gefahr – etwa bei Krebserkrankungen –, dass die Spermien oder Eizellen unwiederbringlich geschädigt werden könnten, bieten wir Techniken zum Erhalt der Fruchtbarkeit an. Nach intensiver individueller Beratung kann dies auch im Rahmen des social freezing erfolgen.

 

Weitere Behandlungsmethoden, die bei Bedarf zum Einsatz kommen:

 

Laser assisted hatching

Trotz erfolgreicher Befruchtung der Eizellen bei In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Mikroinjektion (ICSI) bleibt bisweilen die erwünschte Schwangerschaft aus.

 

Eine mögliche Ursache: der Embryo kann nicht aus seiner Hülle schlüpfen, um sich in der Gebärmutter einzunisten. Damit der Embryo leichter ausschlüpfen kann, können wir mit einem mikroskopisch gesteuerten feinen Laserstrahl unmittelbar vor dem Embryotransfer die „Hülle“ des Embryos, die so genannte Zona pellucida, an einer kleinen Stelle ausdünnen.

Da bei Frauen ab 35 Jahren die Zona pellucida häufig deutlich verdickt ist, werden durch das Hatching bei diesen Frauen die Chancen auf eine Schwangerschaft größer.

Frauen mit mehreren vorangegangenen erfolglosen IVF- oder ICSI-Behandlungen sowie bei Embryotransfers mit zuvor (im Vorkernstadium) eingefrorenen Eizellen empfehlen wir ebenfalls das Laser assisted hatching.

Kryokonservierung von Eizellen, Spermien und Hodengewebe

Um „überzählige“ befruchtete Eizellen zu sichern, setzen wir die Kryo- oder Tiefgefrierkonservierung ein.

Die Eizellen werden in einem späteren Stadium aufgetaut und – wie üblich – im Embryonalstadium in die Gebärmutterhöhle übertragen. Die Patientin hat damit gleichzeitig den Vorteil, dass mehrere Embryotransfers ohne erneute Hormonbehandlung und operativen Eingriff durchgeführt werden können.

Blastozystenkultur

Erst ab dem 3. Tag nach der Befruchtung wird das genetische Programm des Embryos aktiv. Entwickeln sich danach Blastozysten, spricht dies im Wesentlichen für ein ungestörtes genetisches Programm des Embryos.

 

Der Transfer von sehr guten Blastozysten ist mit einer hohen Schwangerschaftsrate verbunden. Die Blastozystenkultur erfordert ein Umsetzen der Embryonen zwei Tage nach der Eizellentnahme in ein spezielles Medium, das den Stoffwechselanforderungen des wachsenden und sich differenzierenden Embryos gerecht wird.

Am 4. oder 5. Tag nach der Punktion erfolgt dann der Embryotransfer. Dies ermöglicht die Beurteilung der Embryonen unmittelbar vor der Implantation (Einnistung). Damit gelangen die Embryonen zum natürlichen Zeitpunkt in die Gebärmutter. Auch das erhöht die Schwangerschaftschance.

Bei reduzierter Ovarialreserve

 

Körpereigenes plättchenreiches Plasma (PRP)

In aktuellen Studien zeigt sich eine Behandlung mit körpereigenem plättchenreichem Plasma als vielversprechende Möglichkeit, bei Kinderwunschbehandlungen zu helfen - insbesondere bei Frauen mit vorzeitig erschöpfter bzw. grenzwertiger Ovarialreserve oder wiederholtem Implantationsversagen.

 

Die Eierstöcke einer Frau besitzen eine bestimmte, limitierte Reserve für die Produktion von Eizellen. Sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Eizellen nehmen altersabhängig konstant ab.

Mithilfe von plättchenreichem Plasma wird versucht, die Chancen einer erfolgreichen Befruchtung gegebenenfalls zu erhöhen. Die Methode kann Frauen helfen, die unter einem vorzeitigen Eierstockversagen leiden oder nachträglich eine Funktionsverbesserung erreichen möchten.

 

Wie funktioniert die Behandlung mit PRP?

 

Es stehen zwei unterschiedliche Anwendungsbereiche zur Verfügung:

 

1.) Die PRP-Injektionen (PRP intraovariell)

 

 

Die Methode mit Injektionen des eigenen plättchenreichen Plasmas wird nicht nur zu Reproduktionszwecken verwendet, sondern ist auch in anderen Bereichen der Medizin seit geraumer Zeit gebräuchlich. Sei es bei Verletzungen (Wundheilung), Operationen, kosmetischen Eingriffen oder zur ovariellen Injektion. PRP soll das Wachstum der Zellen sowie die Stammzellen im jeweiligen Gewebe anregen, in welches das PRP verabreicht wird. Weibliche Eierstöcke sollen mithilfe des PRP wieder vermehrt Eizellen produzieren können.

Die PRP-Injektion erfolgt im Zyklus vor der geplanten Stimulationsbehandlung (IVF/ICSI).

 

Nach Desinfektion der Vagina mit Jod erfolgt die transvaginale Injektion. Hierfür wird eine Ultraschall-Vaginalsonde mit Führungshilfe in die Scheide eingeführt. Anschließend wird die Punktionsnadel durch die Führungshilfe vorgeschoben. Unter optischer Kontrolle über den Monitor des Ultraschallgerätes erfolgt nun die transvaginale Injektion von jeweils ca. 1,5 ml PRP subkortikal des rechten und linken Ovars (bzw. des vorhandenen Ovars bei Z. n. Ovarektomie einseits). Nach der Injektion erfolgt eine nochmalige Ultraschallkontrolle zum Ausschluss einer intraabdominellen Blutung sowie die vaginale Einstellung mittels Schnabelspekula zur Kontrolle auf eine vaginale Blutung. Sofern eine vaginale Blutung vorliegt, wird diese mittels Mullkompressen und Kompression gestillt. Eine Umstechung blutender Gefäße ist in der Regel nicht erforderlich. Nach dem Eingriff wird die Patientin von einer Arzthelferin in den Aufwachraum gebracht und verbleibt dort noch 2 Stunden zur Überwachung.

 

2.) Die PRP-Spülung (PRP intrauterin)

 

 

Eine optimal vorbereitete Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ist eins der Schlüsselelemente für eine erfolgreiche Empfängnis und Einnistung. Es gibt nur wenige Methoden, die die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum anregen und die Einnistungsfähigkeit verbessern. Die Spülung der Gebärmutter mit aufbereitetem Eigenblut ist eine der effektivsten Methoden. Außer der Versorgung der Gebärmutterschleimhaut mit wichtigen Nährstoffen und Wachtumsfaktoren, werden durch eine Spülung mit Eigenblut auch Immunfaktoren aus der Gebärmutter entfernt, die eine Einnistung behindern können. Insbesondere wirkt diese Therapie auch sehr vorteilhaft bei versteckten Entzündungen des Endometriums (chronische Endometritis). Diese Entzündungen können auch unbemerkt vorhanden sein, unter anderem nach Fehlgeburten, Ausschabungen, Eileiterentzündungen (Chlamydien) oder langfristiger Anwendung einer Spirale zur Verhütung. Hier kann eine PRP-Spülung der Gebärmutter die Einnistung verbessern. Wir entnehmen zu diesem Zweck nur wenige Milliliter Blut von der Frau und bereiten es auf, anschließend wird das Plasma mit Hilfe eines dünnen, weichen Katheters wie bei einer Insemination in die Gebärmutter übertragen. Dieser Eingriff ist schmerzfrei.

 

Bei beiden Therapiemöglichkeiten wird eine Krankmeldung für den jeweiligen Behandlungstag ausgestellt.

 

Für wen kann eine PRP-Behandlung geeignet sein?

  • Frauen mit geringer Fruchtbarkeit, Eizellreserve und niedrigem AMH-Wert
  • Frauen mit vorzeitiger Ovarialinsuffizienz (premature ovarian failure = POF)
  • Frauen mit wiederholtem Implantationsversagen (=RIF) nach IVF/ICSI
  • Frauen mit habituellen Aborten

 

Forschung zur PRP-Behandlung noch ausbaufähig

 

Die Behandlung mit PRP in der Reproduktionsmedizin ist noch relativ neu. Zwar sind medizinische Forschungen zur Therapie mit PRP bereits im Gange, allerdings gibt es noch nicht viele wissenschaftlich aussagekräftige Studien zu genauen Erfolgsaussichten der Methode. Um die genaue Wirkungsweise des PRPs definieren zu können, sind ebenfalls weitere Forschungen erforderlich. Erfolge nach einer Behandlung mit PRP konnten aber bereits beobachtet und verfolgt werden (1-3). Wichtig ist daher, dass für medizinische Aussagen zu Erfolgsprognosen sowie zur detaillierten Wirkungsweise der Methode weitere Forschungsstudien und Untersuchungen notwendig und zielführend sind.

 

Eine Alternativmethode sowie Kontraindikationen sind aktuell nicht bekannt.

 

(1) Yigit Cakiroglu et al.: Effects of intraovarian injection of autologous platelet rich plasma on ovarian reserve and IVF outcome parameters in women with primary ovarian insufficiency (2020)

(2) K. Pantos et al.: A case series on natural conceptions resulting in ongoing pregnancies in menopausal and prematurely menopausal women following platelet- rich plasma treatment

(3) K. Sfakianoudis et al.: A case series on platelet-rich plasma revolutionary management of poor responder patients (2019)

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