Körpereigenes plättchenreiches Plasma (PRP)

Bei reduzierter Ovarialreserve

In aktuellen Studien zeigt sich eine Behandlung mit körpereigenem plättchenreichem Plasma als vielversprechende Möglichkeit, bei Kinderwunschbehandlungen zu helfen - insbesondere bei Frauen mit vorzeitig erschöpfter bzw. grenzwertiger Ovarialreserve oder wiederholtem Implantationsversagen.

Die Eierstöcke einer Frau besitzen eine bestimmte, limitierte Reserve für die Produktion von Eizellen. Sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Eizellen nehmen altersabhängig konstant ab.

Mithilfe von plättchenreichem Plasma wird versucht, die Chancen einer erfolgreichen Befruchtung gegebenenfalls zu erhöhen. Die Methode kann Frauen helfen, die unter einem vorzeitigen Eierstockversagen leiden oder nachträglich eine Funktionsverbesserung erreichen möchten.

 

Wie funktioniert die Behandlung mit PRP?

 

Es stehen zwei unterschiedliche Anwendungsbereiche zur Verfügung:

 

1.) Die PRP-Injektionen (PRP intraovariell)

 

Eine grafische Darstellung einer PRP-Injektion zur Funktionsverbesserung der Eierstöcke.

 

Die Methode mit Injektionen des eigenen plättchenreichen Plasmas wird nicht nur zu Reproduktionszwecken verwendet, sondern ist auch in anderen Bereichen der Medizin seit geraumer Zeit gebräuchlich. Sei es bei Verletzungen (Wundheilung), Operationen, kosmetischen Eingriffen oder zur ovariellen Injektion. PRP soll das Wachstum der Zellen sowie die Stammzellen im jeweiligen Gewebe anregen, in welches das PRP verabreicht wird. Weibliche Eierstöcke sollen mithilfe des PRP wieder vermehrt Eizellen produzieren können.

Die PRP-Injektion erfolgt im Zyklus vor der geplanten Stimulationsbehandlung (IVF/ICSI).

 

Nach Desinfektion der Vagina mit Jod erfolgt die transvaginale Injektion. Hierfür wird eine Ultraschall-Vaginalsonde mit Führungshilfe in die Scheide eingeführt. Anschließend wird die Punktionsnadel durch die Führungshilfe vorgeschoben. Unter optischer Kontrolle über den Monitor des Ultraschallgerätes erfolgt nun die transvaginale Injektion von jeweils ca. 1,5 ml PRP subkortikal des rechten und linken Ovars (bzw. des vorhandenen Ovars bei Z. n. Ovarektomie einseits). Nach der Injektion erfolgt eine nochmalige Ultraschallkontrolle zum Ausschluss einer intraabdominellen Blutung sowie die vaginale Einstellung mittels Schnabelspekula zur Kontrolle auf eine vaginale Blutung. Sofern eine vaginale Blutung vorliegt, wird diese mittels Mullkompressen und Kompression gestillt. Eine Umstechung blutender Gefäße ist in der Regel nicht erforderlich. Nach dem Eingriff wird die Patientin von einer Arzthelferin in den Aufwachraum gebracht und verbleibt dort noch 2 Stunden zur Überwachung.

 

2.) Die PRP-Spülung (PRP intrauterin)

 

Eine grafische Darstellung einer PRP-Spülung zur Erhöhung der erfolgreichen Einnistung.

 

Eine optimal vorbereitete Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ist eins der Schlüsselelemente für eine erfolgreiche Empfängnis und Einnistung. Es gibt nur wenige Methoden, die die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum anregen und die Einnistungsfähigkeit verbessern. Die Spülung der Gebärmutter mit aufbereitetem Eigenblut ist eine der effektivsten Methoden. Außer der Versorgung der Gebärmutterschleimhaut mit wichtigen Nährstoffen und Wachtumsfaktoren, werden durch eine Spülung mit Eigenblut auch Immunfaktoren aus der Gebärmutter entfernt, die eine Einnistung behindern können. Insbesondere wirkt diese Therapie auch sehr vorteilhaft bei versteckten Entzündungen des Endometriums (chronische Endometritis). Diese Entzündungen können auch unbemerkt vorhanden sein, unter anderem nach Fehlgeburten, Ausschabungen, Eileiterentzündungen (Chlamydien) oder langfristiger Anwendung einer Spirale zur Verhütung. Hier kann eine PRP-Spülung der Gebärmutter die Einnistung verbessern. Wir entnehmen zu diesem Zweck nur wenige Milliliter Blut von der Frau und bereiten es auf, anschließend wird das Plasma mit Hilfe eines dünnen, weichen Katheters wie bei einer Insemination in die Gebärmutter übertragen. Dieser Eingriff ist schmerzfrei.

 

Bei beiden Therapiemöglichkeiten wird eine Krankmeldung für den jeweiligen Behandlungstag ausgestellt.

 

Für wen kann eine PRP-Behandlung geeignet sein?

  • Frauen mit geringer Fruchtbarkeit, Eizellreserve und niedrigem AMH-Wert
  • Frauen mit vorzeitiger Ovarialinsuffizienz (premature ovarian failure = POF)
  • Frauen mit wiederholtem Implantationsversagen (=RIF) nach IVF/ICSI
  • Frauen mit habituellen Aborten

 

Forschung zur PRP-Behandlung noch ausbaufähig

 

Die Behandlung mit PRP in der Reproduktionsmedizin ist noch relativ neu. Zwar sind medizinische Forschungen zur Therapie mit PRP bereits im Gange, allerdings gibt es noch nicht viele wissenschaftlich aussagekräftige Studien zu genauen Erfolgsaussichten der Methode. Um die genaue Wirkungsweise des PRPs definieren zu können, sind ebenfalls weitere Forschungen erforderlich. Erfolge nach einer Behandlung mit PRP konnten aber bereits beobachtet und verfolgt werden (1-3). Wichtig ist daher, dass für medizinische Aussagen zu Erfolgsprognosen sowie zur detaillierten Wirkungsweise der Methode weitere Forschungsstudien und Untersuchungen notwendig und zielführend sind.

 

Eine Alternativmethode sowie Kontraindikationen sind aktuell nicht bekannt.

 

(1) Yigit Cakiroglu et al.: Effects of intraovarian injection of autologous platelet rich plasma on ovarian reserve and IVF outcome parameters in women with primary ovarian insufficiency (2020)

(2) K. Pantos et al.: A case series on natural conceptions resulting in ongoing pregnancies in menopausal and prematurely menopausal women following platelet- rich plasma treatment

(3) K. Sfakianoudis et al.: A case series on platelet-rich plasma revolutionary management of poor responder patients (2019)

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